Mittwoch, 30. März 2016

Globales Agro-Business, Abhängigkeit und Marginalsierung der Selbstversorgung, Organischer Anbau und Agroökologie


Nun erfahrungsgemäß wird dieser Artikel wieder nur von ein paar Dutzend Leuten gelesen und keines Kommentars gewürdigt. Dabei hängt letztlich Leben und Gesundheit von uns allen von einer vernünftigen Politik in der Landwirtschaft ab. Colin Todhunter schreibt am Ende ganz unten, dass er an dem Artikel 12 Stunden gearbeitet hat, d. h. 1 1/2 Arbeitstage, wie sie bei uns üblich sind. Für all diese Arbeiten, die er an die großen alternativen Verteiler schickt, erhält er keinen Pfennig. Außerdem sagt er, dass er dafür die halbe Arbeitszeit aufwendet. Vielleicht kann sich jemand in seine Lage versetzen, in die Lage eines Mannes, der noch keine Pension erhält. Wahrscheinlich eine Familie zu ernähren hat und so oder so ab und zu auch mit größeren Ausgaben rechnen muss. Dann sollte man sich überlegen, ob man nicht hin und wieder ein Glas Bier oder ein Essen einem Mann wie Colin zukommen lässt. Wir Alten brauchen das nicht, denn viele von uns haben ein Leben lang trainiert, den Gürtel enger zu schnallen.

Colin Todhunter
28. März 2016


Aus demEnglischen: Einar Schlereth
Organischer Anbau ein Nischen-Modell?
Ist organischer Anbau nur ein Nischen-Modell der Landwirtschaft, das nicht die Welt-Bevölkerung ernähren kann? Oder hat es eine größere Rolle zu spielen?

Um diese Fragen anzugehen, ist es nützlich, eine Auswahl an relevanter Literatur zu berücksichtigen und was sie über organischen Anbau zu sagen hat, wie dieses Modell sich auf Bauern auswirkt und ob es die Welt-Bevölkerung ernähren kann oder nicht.

Organischer Anbau und nachhaltiger Lebensunterhalt

In „ The impact of organic farming on food security in a regional and global perspective' von Halberg u. a. (2006) meint, dass zwar die gegenwärtige Nahrungsproduktion theoretisch ausreicht, die Energie- und Protein-Bedürfnisse der Welt-Bevölkerung zu befriedigen, doch da gibt es immer nocht 740 Mill. Menschen mit Nahrungsunsicherheit, die Mehrheit von ihnen im Globalen Süden. Forscher meinen, dass eine Umstellung auf organischen Anbau bei 50 % der Landwirtschafts- Fläche im Süden ausreichen würde für größere Selbstversorgung und weniger Nahrungsimport in die Region.


Hiervon ausgehend schreibt Halberg mit Muller in 'Organic Agriculture for Sustainable Livelihoods', dass organische Feldfrüchte den Bauern gewöhnlich höhere Netto-Einkommen bringen im Vergleich mit konventionellen Bauern wegen ihrer niedrigeren Produktionskosten. Das Buch liefert überzeugende Beweise, dass organischer Anbau einen positiven Einfluss auf Nahrungssicherheit und den Lebensunterhalt von Kleinbauern hat. Dies ist wichtig, weil die Kleinbauern-Landwirtschaft der Schlüssel für dieNahrungs-Produktion im Globalen Süden ist, wo die Nahrungs-Unsicherheit am meisten vorherrscht.

Aaron Iverson gibt einen sachdienlichen Hinweis auf das Buch von Halberg & Muller mit ihrer Analyse der ökonomischen Vorteile der Organischen Landwirtschaft (OL) im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft (KL) die sich über mehrere Jahre und Jahrzehnte erstrecken, was bei solchen Analysen selten ist. Auf Basis extensiver Forschung und Modell-Analysen fanden die beiden Autoren, dass OL die Diversität der Früchte fördert, die Gesundheit der Arbeiter fördert durch weniger chemische Kontakte, Zunahme des sozialen und menschlichen Kapitals, vermehrt die Boden-Fruchtbarkeit und ist finanziell weniger riskandt wegen niedrigerer Anfangskosten. Unter anderem bindet sie mehr Boden-Kohlenstoff und ist weniger empfindlich gegenüber Klimaveränderungn wegen verbesserter Boden-Eigenschaften.

UN FAO: OL kann die Welt ernähren

2007 hat die FAO (Nahrungs- und Landwirtschaftorganisation) notiert, dass der Vorteil der OL darin liegt, dass sie unabhängig von fossilem Brennstoff ist und sich auf örtlich erhältliche Produktionsmittel stützt. Organische Modelle arbeiten mit natürlichen Prozessen, verbessern die Kosten-Effektivität und tragen zur Widerstandsfähigkeit angesichts des Klima-Stresses bei. Die FAO schloss, dass durch das Managen der Biodiversität in der Zeit (Rotation) und Raum (gemischter Anbau) die Bauern ihre Arbeits- und Umwelt-Faktoren nutzen, um die Produktion in einer nachhaltigen Weise zu intensivieren und dass die OL den Teufelskreis von Verschuldung durch den Input bricht, der alarmierende Selbstmordraten bei Bauern verursacht.

Die FAO erkennt an, dass die Agro-Ökologie dazu beiträgt, die Nahrungs-Selbstversorgung zu verbessern, die Revitalisierung der Kleinbauern-Wirtschaften und die Anstellungsmöglichkeiten verbessert. Sie bestätigt, dass die OL genug Nahrung für die gesamte Menschheit liefern könnte und mit geringeren Auswirkungen auf die Umwelt als die konventionelle Landwirtschaft.

Ähnlich, allerdings nicht nur auf die OL fokusiert, schreiben Jules Pretty u. a. , dass nachhaltige, ressourcen-sparende Landwirtschaft das Potential hat, die Erträge signifikant zu erhöhen. Sie verbessert auch den Nährwert, die Nahrungs-Sicherheit und Frucht-Vielfalt (vergleicht dies mit dem, was Daniel Miangi sagt über die chemo-intensive mono-Anbau-Systeme und ihren schädlichen Einfluss auf die Diät).

UN-Sonderberichterstatter über Agro-Ökologie und das Recht auf Nahrung

Olivier De Schutter, ehemaliger UN-Sonderberichterstatter über das Recht auf Nahrung, erstellte 2011 seinen Bericht, der auf einem extensiven Durchgang der neuen wissenschaftlichen Literatur basiert. Er kommt zum Schluss, dass durch Anwendung agro-ökologischerPrinzipien für das Muster demokratisch kontrollierter Landwirtschafts-Systeme können wir helfen, Nahrungskrisen zu beenden und Klimawandel  und die Armut anzupacken. Er steht nicht allein da, wenn er bestätigt, dass OL besser geeignet ist, klima-relevante Herausforderungen anzugehen. Sein durch Fachleute geprüftes Papier  erklärt, dass OL eine „konkrete und nachhaltige Option“ ist, um sich dem Klimawandel und Veränderungen anzupassen.

De Schutter sagt, dass agro-ökologisches Herangehen die Nahrungs-Not in kritischen Regionen beheben und die Nahrungs-Produktion in 10 Jahren verdoppeln könnte.

Sein Report fokusiert auf Regionen wie Afrika und Südost-Asien und zeigt eine durchschnittliche Ertragserhöhung von 80% in 57 Entwicklungsländern, mit einer durchschnittlichen Zunahme von 116 % in allen afrikanische Projekten. Neue Projekte, die in 20 afrikanischen Ländern durchgeführt wurden, zeigten eine Verdopplung der Erträge in einer Periode von 3-10 Jahren. Doch bemerkt De Schutter, dass die unzureichende Förderung von organisch-basiertem Anbau ernsthafte Fortschritte verhindert.

Und dieser letzte Punkt sollte nicht unterschätzt werden. Z. B. wird der Erfolg der Grünen Revolution oft angepriesen, aber wie können wir sie richtig einschätzen? Wenn in Alternativen so stark investiert worden wäre, wenn ähnlich mächtige und einflussreiche Interessen in organisch-basierten Modellen investiert hätten, könnten wir jetzt auf die großen Erfolge der OL zeigen, und, noch wichtiger, ohne die massiven externen Kosten verschmutzter Umwelt, weniger vielfältiger Nahrung, zerstörten Böden und Nahrung ohne Nährwert, schlechte Gesundheit usw.

Und wenn die Technologie der Grünen Revolution und ihr Denken nicht mit mächtigen kommerziellen und geo-politischen Interessen verlinkt, angefeuert und angetrieben worden wäre, hätte man sie dann nicht umsichtiger angewandt, um den Bauern und der Öffentlichkeit zu dienen?

UNCTAD: besseres Einkommen und Nahrungsangebot

2012 erklärte der Stellvertretende Generalsekretär der UN Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) Petko Draganow bei der Eröffnung der 2. Organischen Afrika-Konferenz in der sambischen Hauptstadt Lusaka:

„OL kann eine eindrucksvolle Reihe von Nahrungssicherheit, ökonomischen, Umwelt- und Gesundheitsvorteilen in Entwicklungsländern bieten.“

Er sagte auch, dass die Ausweitung von OL in Afrika einen heilsamen Effekt für die Ernährungsbedürfnisse, die Umwelt, die Einkommen der Bauern, für die Märkte und die Beschäftigung haben würde.

Laut UNCTAD kann die OL die Erträge bedeutend erhöhen und den Bauern helfen, höhere Preise zu erzielen, weil sie mit Gewinn angeboten werden. Die Methode hilft auch, Jobs in ländlichen Gebieten zu schaffen.

Eine von UNEP-UNCTAD 2008 durchgeführte Groß-Analyse beurteilte 114 Fälle in Afrika. In Kenya stiegen die Mais-Ernten um 71 % und die Bohnen-Erträge um 158%. Eine größere Vielfalt des Angebots der Bauern ergab eine abwechslungsreichere Diät und verbesserten Nährwert. Die 114 Projekte wurden auf 2 Millionen Hektar mit 1.9 Mill. Bauern durchgeführt und zeigten für alle Projekte einen 116 % höheren Ertrag und einen 128 & höheren Ertrag in den Projekten in Ostafrika. Die UN-Behörden schlossen, dass OL besser der Nahrungssicherheit in Afrika dienen könne als die meisten konventionellen Produktions-Systeme und dass sie langfristig besser für Nachhaltigkeit ist. Diese Projekte erhöhten das Nahrungsangebot für die örtliche Bevölkerung und gaben den Bauern ein höheres Einkommen.

IAASTD empfiehlt die Agro-Ökologie

Der von Fachkräften geprüfte Report der IAASTD, verfasst von 400 Wissenschaftlern und unterstützt von 60 Ländern, empfiehlt Agro-Ökologie, um die Produktivität der globalen Landwirtschaft aufrechtzuerhalten und zu erhöhen. Er zitiert die größte Studie über nachhaltige Landwirtschaft im globalen Süden, die 286 Projekte analysierte mit 37 Mill. Hektar in 57 Ländern und fand, dass die Ernteerträge im Schnitt um 79 % zunahmen (die früher genannte Studie von Pretty u. a. die 'Ressourcen erhaltende' nicht-organische konventionelle Methoden umfasste).

Der Zweck mit der Auflistung dieser Berichte ist zu zeigen, dass es genügend Beweise gibt, um zu demonstrieren, dass organisch-basierte Methoden lebenswichtig sind, um Nahrungs-Sicherheit, ländliche Entwicklung, bessere Ernährung und Nachhaltigkeit zu garantieren, besonders im globalen Süden.

Das kubanische Modell

Außer den oben gelieferten Beweisen gibt es zahlreiche andere, die die Effektivität der OL beweisen: z. B. gibt es Berichte des Rodale Instituts, des Oakland Instituts, des Frauen-Kollektivs in Tamil Nadu, der Newcastler Univeristät , der UN GrüneWirtschaft-Initiative und der Washington Staats-Universität. Wir brauchen auch nicht weiter gehen als zu dem organisch-basierten Anbau in Malawi. Organische Methoden haben auch in Indien die Lebenshaltung von Bauern verbessert und eine Schlüsselrolle gespielt bei der ländlichen Entwicklung.

Wenn wir jedoch wirklich würdigen wollen, was geschieht, wenn es eine breite Umstellung zum organischen Anbau gibt, brauchen wir uns nur Kuba anschauen.

Kuba ist eins der Länder in der Welt, das die größten Veränderungen in der kürzesten Zeit von der industriellen chemo-intensiven Landwirtschaft zum organischen Anbau durchgeführt hat.

Miguel Altieri merkt an, dass wegen der Schwierigkeit, die Kuba durch den Fall der UdSSR erfuhr, Kuba sich Ende der 1990-er Jahre den organischen und agro- ökologischen Techniken zuwandte. Tausende Ochsen ersetzten Traktoren, die wegen Mangel an Diesel und Ersatzteilen unbrauchbar waren. Bauern ersetzten chemischen Dünger und künstlich erzeugte chemische Pestizide mit Biopestiziden und grünem Dünger.

Altieri erklärt, dass von 1996 bis 2005 die pro-Kopf-Nahrungs-Produktion jährlich um 4.2 % stieg, in einer Periode, als die Produktion in weiten Regionen stillstand. Mitte der 2000-nder Jahre billigte das Agrikultur-Ministerium  die Schaffung von 2600 neuen kleinen städtischen und vorstädtischen Farmen und erlaubte den Anbau auf etwa drei Millionen Hektar von unbenutztem staatlichen Land.

Heute hat Kuba 383 000 städtische Landwirtschaftsbetriebe auf 50 000 Hektar von ansonsten unbenutztem Land, die mehr als 1.5 Mill. Tonnen Gemüse produzieren. Die produktivsten städtischen Farmen erzeugen bis zu 20 kg Nahrung pro Quadratmeter Land, die höchste Rate der Welt, ohne synthetische Chemikalien. Städtische Farmen liefern 50 bis 70 % oder mehr an allem frischen Gemüse, das in Städten wie Havana und Villa Clara verbraucht wird.

Altieri und seine Kollegen haben ausgerechnet, dass Kuba, wenn alle Bauern und Kooperativen diversifizierte agro-ökologische Methoden anwendeten, in der Lage wäre, genug Nahrung für seine Bevölkerung, für die Touristen-Industrie und sogar für den Export zu produzieren, um ausländische Devisen zu bekommen.

Was Kuba gemacht hat, ist eine große Errungenschaft, meint Garry Leech:

„Die Umstelllung auf eine ökologisch nachhaltigere Produktion hat zu gesünderer Nahrung geführt, die für die Kubaner die passendste und billigste Nahrung ist. Wegen der US-Blockade sind verarbeitete Nahrungsmittel teuer und nicht überall erhältlich. Diese Realität steht in starkem Widerspruch zu der in reichen kapitalistischen Ländern, wie den USA und Kanada, wo das enorm subventionierte Agro-business den Markt mit billigen, ungesund verarbeiteter Nahrung überflutet, während organische Alternativen teuer und schwieriger zu erhalten sind. Die Konsequenz ist das hohe Niveau der Fettleibigkeit, Diabetis und Herzkrankheiten in den USA.“

Kuba zeigt, was getan werden kann (schaut euch an, wie es getan wurde und die Gefahren, die jetzt drohen), wenn es einen politischen Willen gibt und was getan werden sollte, wenn wir von dem nicht nachhaltigen Modell aussteigen, das Nahrungs-Unsicherheit, Umwelt-Verschmutzung, schlechte Nahrung und Krankheiten liefert.

Das US-Modell

Vergleicht dies mit dem, was die NAFTA [das US-Kanada-Mexiko-“Freihandels-Abkommen“ - D. Ü.] in Mexiko angerichtet hat. Durch das chemo-intensive US-Modell der Nahrungs-Erzeugung, der Verteilung und der Landwirtschaft war das Ergebnis Krankheit, Unterminierung der Nahrungs-Sicherheit und die Zerstörung der kleinen Bauern und Geschäfte.

Junkfood voller Gifte und ein mit Subventionen aufgepäppelter Agrobusiness-Sektor ist das Charakteristikum des US-chemo-intensiven Landwirtschafts-Modells, das zu vielen Gesundheits- und Umwelt-Problemen führte.

Für Olivier De Schutter muss ein Programm, das effektiv gegen Hunger und Fehlernährung zurechtkommen soll, sich auf die Kleinbauern in Mexiko konzentrieren. Sie stellen einen wesentlichen Prozentsatz der Armen des Landes dar und sie sind diejenigen, die am besten sowohl die ländliche als auch die städtische Bevölkerung mit gehaltvoller Nahrung versorgen können.

Und man kann die Schrift an der Wand lesen auch an Orten wie Indien, wo die neoliberale Invasion und das transnationale Agrobusiness bewaffnet mit seinen Chemikalien (und GMOs) ihren Griff um die Nahrung und die Landwirtschaft verstärkt. Dies erweist sich als verheerend für die indischen Bauern, die Umwelt und die Gesundheit der Öffentlichkeit (seht euch dies an).

Und die Anhänger des ungesunden, nicht nachhaltigen, industriellen chemo-chemikalischen Landwirtschaftsmodell wollen fortfahren, die indigene Landwirtschaft zu zerstören und entsprechend umzugestalten. Und sie versuchen es damit zu rechtfertigen, dass sie erklären, es gäbe keine Alternative und dass organisch-basierte Methoden, einschließlich demokratisch-teilhabende Bewegungen wie Agro-Ökologie das nicht leisten können.

Obwohl Orte wie Russland, Kuba und Sikkim (Indiens erster voll organischer Staat) den Weg nach vorne zeigen, behaupten diese Leute das Gegenteil.

Von der NAFTA und Handelsabkommen wie die Knowledge Initiative on Agriculture (Indien), TTIP und TPP bis zur laufenden Infiltrierung Afrikas durch Bill Gates und das 'korporative Amerika' wird 'business as usual' gefordert: Regierungen mit Bedingungen verknüpfte Darlehen anbieten und sicherstellen, dass sich Export-Monokulturen durchsetzen (seht diesen Artikel von 1999 über Indien), um die Bauern abhängig von äußeren Inputs zu machen, sie in eine sehr profitable, aber nicht nachhaltige GMO/chemische Tretmühle zu bringen und sie in das System der Globalisierung einzuordnen, das auf manipuliertem Handel, Schulden-Fallen und dem manipulierten internationalen 'freien' Markt beruht.

Und all das wofür? Um die gesamte Produktionskette von der Saat bis zum Teller auf dem Tisch in die Hand zu bekommen, um den kommerziellen Interessen der transnationalen agrotech/agrobusiness und den großen Nahrungsverteilern zu dienen und die Landwirtschaft als ein politisches Instrument zu nutzen, um Abhängigkeit zu schaffen. Alles auf Kosten der Selbstversorgung, der nachhaltigen indigenen Agrikultur und der Lebenshaltung derjenigen, die mit traditioneller Nahrungs-Erzeugung, Verarbeitung und Verteilung zu tun haben. Und all das auch auf Kosten der Nahrungssicherheit, der Umwelt und einer gehaltvollen, gesunden und abwechslungsreichen Diät.

Colin Todhunter
ist ein unabhängiger Schreiber. Es brauchte 12 Stunden, diesen Artikel zu verfassen. Nehmt den freien Inhalt im Web nicht als Selbstverständlichkeit – lest dies hier


Quelle - källa - source

Kommentare:

  1. Ja was soll man dazu auch großartig sagen? Alles richtig was da steht. Das die Chemiemafia Monsanto & Co dagegen wettern, ist völlig normal. Da kommt jemand daher und zeigt, daß es ohne ihren Giftsondermüll tausend mal besser, einfacher, billiger und effektiver geht - ohne Mensch, Tier und Umwelt zu vergiften. Das kann und darf nicht sein, damit kann der althergebrachte Abschaum kein Geld verdienen.

    AntwortenLöschen
  2. Bringt kein Geld und kein Wachstum, also die Indigenen zum Teufel jagen oder in die Slums, dann wächst wenigstens die Armut. Die Welt ist durch und durch krank.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Welt wird krank gemacht, oder verseucht durch einige wenige dem absoluten Abschaum zuzurechnende "Menschen". Es dürfte sich um irgendwas zwischen 1% bis 5% handeln.

      Löschen
  3. Habe (noch nicht sehr lange) in Berlin einen Kleingarten. Normalerweise ist der Einsatz von Chemie verboten. Ob sich Jeder daran hält, weiss ich nicht. Ich tue es und muss sagen, was ich bisher geerntet habe, ist einfach super. Erdbeeren, Kirschen, Blumenkohl, Zucchini, Tomaten usw... man kann Obst, wie früher als Kinder, direkt vom Baum/Beet naschen und es schmeckt herrlich.
    Leider reicht eine kleine Parzelle nicht, sich autark zu ernähren, aber es ist ein Teilgewinn und meine Kinder freuen sich über chemiefreies Obst,Gemüse und Kräuter. Kuba kenne ich querfeldein d.h. keine Touri-Zentren. Lebensmittel, die man selbst anbaut, schätzt man mehr und diese "Wüsterei und Wegwerfmentalität" kennt man in Kuba nicht.
    Sicherlich hat nicht Jeder die Möglichkeit und Bock auf Selbstversorgung... muss auch nicht. Würde man den klassischen Bauern die Geldmenge zukommen lassen, die Großkonzerne für das Vergiften von Mensch, Tier und Natur einstreichen, dann wäre genug für Alle da.
    BG. Hannelore M.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Auch wir hatten in Hamburg immer irgendwie Zugang zu einem Stückchen Land. Und uns machte es
      auch immer Spaß relativ gesunde Sachen zu ernten - die Luft kann man ja nicht filtern.

      Löschen
  4. @ Herr Schlereth, Danke für die Übersetzung und Danke an den Autor Herr Todhunter für den interessanten Artikel.
    Gruß tuc_tuc

    AntwortenLöschen
  5. Habe gerade einen Artikel in dem Magazin GETBI gelesen. Der Artikel ist im Internet nicht zu finden.
    Also habe ich die entsprechenden Seiten herausgetrennt, eingescannt und stelle ihn mit Quellengabe ein. In zwei Teilen, da er die zuläaaige Zeichenzahl überschreitet.

    Aus care magazin, Ausgabe 29 März/April 2016

    Landraub: Kolonialismus 2.0
    Die globale Jagd nach Ackerland


    Wir kennen Bankraub, Kunstraub, Mundraub, Straßenraub ... Doch was zum Henker ist ein Landraub? Hier die Aufklärung: Jedes Jahr gehen etwa zwölf Millionen Hektar Agrarfläche durch Versiegelung verloren, immer weniger Ackerfläche steht für die Ernährung jedes einzelnen Menschen zur Verfügung.

    Nach der Finanzkrise 2008 hat das globale Finanzkapital, allen voran europäische Investmentfonds und Banken, die Äcker der Welt als Geschäftsfeld entdeckt. Mit Landraub wollen sich die Reichsten der Welt nun Zugriff auf die wichtigste Ressource dieser Erde sicbern, der einzelne Bauer wird ins Abseits gedrängt, muss deren Profitinteressen zunehmend weichen. Zur Verdeutlichung der weitreichenden Konsequenzen dieser globalisierten Form des Raubrittertums begeben wir uns nach Sierra Leone, einem der Armenhäuser dieser Welt, in dem fast jedes dritte Kind nicht einmal seinen fünften Geburtstag erlebt. Dort wurden Pachtverträge mit Investoren über rund eine lVIillion Hektar Land abgeschlossen -18 Prozent der kultivierbaren Fläche des Landes. Darunter befindet sich ein Schweizer Unternehmen namens Addax Bioenergy, das es darauf anlegt, sich zum Musterschüler zu stilisieren. Auf ca. 15.000 Hektar gut bewässertem Ackerland baut Addax Zuckerrohr an und gewinnt daraus Ethanol, das als "Bio"-Treibstoff-Beimischung nach Europa exportiert wird.

    Addax hat viel getan, um den Geldgebern, darunter auch die Österreich ische Entwicklungsbank, das Bild eines fairen Deals zu vermitteln. Die Pachtverträge wurden allerdings nicht zwischen Addax und den Landeigentümern direkt geschlossen, sondern mit den Chiefs, etwa vergleichbar mit einem Bürgermeister. Auch der Vertragstext stand nicht zur Disposition, über ihn ist nie verhandelt worden. Der Vertrag räumt Addax Anspruch auf das GESAMTE Land der Dorfbewohner ein. Addax hat für 76 Jahre das exklusive Verfügungsrecht über Felder, Flüsse, Dörfer, Wälder und alle anderen Formen der Umwelt. Addax kann entscheiden, welche Ressourcen das Unternehmen teilen will und welche es exklusiv nützt.

    Die Bauern klagen nun, dass zum Beispiel die Entschädigungen für vernichtete Bäume viel zu niedrig waren. Für eine gefällte Ölpalme hat man sie mit sechs Dollar abgespeist, obwohl sie damit mindestens 20 Jahre lang jährlich 20 Dollar hätten verdienen können. Außerdem führe die Wasserentnahme zu großen Problemen, wie Ibrahim Serie, Dorfvorsteher von Mabansa, berichtet. "Wenn Addax uns keinen Brunnen baut, bringen sie uns um -und jetzt mischen sie sogar Chemikalien ins Wasser und versprühen es auf den Feldern. Unsere Tiere sterben, wenn sie das Unkraut am Rand der Zuckerrohrfelder fressen." Unabhängige Prüfungen im März 2014 haben ergeben, dass Brunnen und Oberflächenwasser unter anderem mit dem Herbizid Durion belastet waren, das in Frankreich verboten ist. Der Dorfvorsteher weiter: "Wir haben gemerkt, dass wir sehr viel verloren haben. Selbst ein paar Äste zum Bauen dürfen wir nicht mehr nehmen. Wir wollen einen Teil unseres Landes zurück. Das ist unsere einzige Hoffnung." Der Biosprit von Addax wird nach Europa verschifft. In Afrika heizt die Europäische Union mit der Biosprit-Verordnung die Nachfrage nach Boden massiv an. "Es-hat etwas Perverses, dass wir unsere Tanks mit der Nahrungsfläche der Menschen auf der anderen Seite der Welt füllen", bringt es der deutsche Agrarwissenschaftler und Biobauer Felix ,zu Löwenstein auf den Punkt. "Mit ein, zwei Tanks Biosprit für meinen Traktor verbrauche ich so viel Fläche wie eine ganze afrikanische Familie ein Jahr lang zum Leben braucht."



    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Falls es je Zweifel gab, jetzt sind sie ausgeräumt: Landraub ist ein fieses, doch lukratives Geschäft -für einige wenige. Den Heuschrecken der biblischen Plage gleich fallen sie in Staaten in Afrika und Asien, aber auch in Länder des ehemaligen Ostblocks ein, nehmen den Menschen vor Ort die letzte Lebensgrundlage -und wenn nichts mehr zu holen ist, ziehen sie weiter.

      In Äthiopien schnappten sie sich allein im abgelaufenen Fiskaljahr 2,3 Millionen Hektar Ackerland, in Indonesien gehen jedes Jahr 620.000 Hektar verloren, in Kambodscha gehören ihnen bereits 65 Prozent der gesamten Anbaufläche. Eine der aktuell wenigen Stimmen der Vernunft: der österreichische Filmemacher Kurt Langbein, der es sich mit Film und Buch zum Thema zur Aufgabe machte, zumindest Aufklärungsarbeit zu leisten. Vom Ausmaß des international Land Grabbing genannten Phänomens war aber selbst er überrascht.

      "Ich hatte ehrlich keine Ahnung, mit welcher Intensität, Brutalität und in welcher Dimension das stattfindet. Auch bei mir war wie bei vielen das Bild im Kopf: Ja, das sind die Chinesen und Araber, die sich ein bisschen Land in Afrika unter den Nagel reißen. Dass aber ausgerechnet Europa dabei führend ist, unglaubliche 44 Prozent der weltweiten Landraubinvestitionen von europäischen Finanzinstitutionen kommen, empfand und empfinde ich als erschreckend. Wir sind die Landräuber Nummer eins."

      Mann, was sind wir denn für Monster? Ist unser Hunger nach billigen Produkten wirklich derart unstillbar, unser Geiz so geil, dass wir alles dafür in Kauf nehmen?

      "Sieht leider danach aus. Es ist sicher kein Zufall, dass das westliche Finanzkapital nach dem Platzen der globalen Finanzblase 2008 das Ackerland als großes Investmentgebiet für sich entdeckt hat. Und jetzt greifen hier genau die gleichen Mechanismen wie an den Börsen davor. Eine brandgefährliche Entwicklung: Einerseits werden die Rechte der Bauern mit Füßen getreten, da Hunderttausende ihr angestammtes Land verlieren.

      Andererseits verschulden wir ein ökologisches Dilemma, da die industrielle Landwirtschaft ja nie und nimmer das tut, was sie immer behauptet zu tun, nämlich die Welt vor dem Hunger zu befreien. Ganz im Gegenteil: Sie braucht und verbraucht wesentlich mehr Energie, als sie tatsächlich produziert, und zerstört auch noch die Böden."

      Und Zerstörung ist ihr Geschäft: Auf Minimum 100.000 Hektar Agrarfläche [der Basiswert für Investoren, um das Vorhaben als wirtschaftlich einzustufen] wird eine ungeheuerliche Megamonokultur errichtet, der Regenwald abgeholzt, dafür aber der Treibhauseffekt enorm angeheizt, weil auf den Torfböden riesige Mengen CO2 entweichen.

      Die Mehrheit der Bauern, die vorher dieses Land bestellte, endet mittellos auf der Straße, während eine kleine Minderheit unter menschenfeindlichen Bedingungen angeheuert wird, das Land, das ihr einst gehörte, zu bestellen. Und dennoch erdreisten sich die landraubenden Großkonzerne, ihre Schandtaten als Gutmenschentum zu verkaufen, als Sicherstellung der Nahrungsmittelverfügbarkeit in einer Welt der stets wachsenden Bevölkerungszahlen. Zu allem Überfluss werden sie dafür von der EU mit fetten Fördergeldern belohnt -und mit von der Industrie vergebenen Nachhaltigkeitszertifikaten. Nachhaltige Palmölwirtschaft und nachhaltige Biospriterzeugung in Sierra Leone:

      Löschen
    2. Wer das glaubt, ist schon selig. Langbein weiß, wie solche Schweinereien laufen. "Sie streifen deshalb den Löwenanteil der Subventionsgelder ein, da sie die EU in der Hand haben, sie regelrecht zwingen, Förderbedingungen zu definieren, die haargenau ins Profil der Großkonzerne passen. Und die Zertifikatsindustrie ist sowieso Irrsinn mit Methode. Dort treibt der Etikettenschwindel wildeste Blüten. Man muss sich einmal vor Augen führen, dass inzwischen mehr als die Hälfte der Produkte in unseren Supermärkten Palmöl enthalten. Völlig unnötig, aber praktisch, billig und bequem für die Industrie, da Palmöl lange haltbar ist und sich einfach in jeder gewünschten Konsistenz herstellen lässt.

      An die gewünschten Zertifikate kommen die Großkonzerne, indem sie sich diese kurzerhand selbst ausstellen solche Schweinereien laufen. "Sie streifen deshalb den Löwenanteil der Subventionsgelder ein, da sie die EU in der Hand haben, sie regelrecht zwingen, Förderbedingungen zu definieren, die haargenau ins Profil der Großkonzerne passen.

      Und die Zertifikatsindustrie ist sowieso Irrsinn mit Methode. Dort treibt der Etikettenschwindel wildeste Blüten. Man muss sich einmal vor Augen führen, dass inzwischen mehr als die Hälfte der Produkte in unseren Supermärkten Palmöl enthalten. Völlig unnötig, aber praktisch, billig und bequem für die Industrie, da Palmöl lange haltbar ist und sich einfach in jeder gewünschten Konsistenz herstellen lässt. An die gewünschten Zertifikate kommen die Großkonzerne, indem sie sich diese kurzerhand selbst ausstellen beziehungsweise von einer ,unabhängigen' Institution ausstellen lassen, die sich selbstverständlich nicht selten als Tochter des jeweiligen Großkonzerns entpuppt.

      Dabei ist Regenwaldrodung ebenso erlaubt wie Chemieeinsatz der übelsten Sorte, Kunstdünger und Monokulturen. Am Ende des Tages liefern die Zertifikate der Nahrungsmittelindustrie aber das heiß ersehnte Alibi, uns ihr Zeug als nachhaltig zu verkaufen. Absolut grottige Taschenspielertricks, aufgrund der Unfähigkeit der Politik, vernünftige Rahmenbedingungen für Zertifikate zu schaffen, allerdings leider Gottes an der Tagesordnung.

      Das wäre, als würde sich ein Terrorist bei 'der Sicherheitsschleuse am Flughafen selbst abtasten, um danach beruhigend zu verlautbaren: "Keine Angst, heute hab ich nix dabei."
      Ach, und da ist noch eine "Kleinigkeit", die wir uns mit der globalen Jagd nach Ackerland selbst aufhalsen: eine neue Flüchtlingswelle - diesmal zu 100 Prozent hausgemacht.

      "Wenn diese Entwicklung, die in den letzten acht Jahren zu einer dramatischen Veränderung von Besitzverhältnissen von Ackerflächen einer Größe, die jene der gesamteuropäischen Agrarflächen weit übersteigt, so weitergeht, drohen soziale Verwerfungen einer neuen Dimension. Schon jetzt wird von mindestens drei bis vier Millionen Menschen gesprochen, denen in naher Zukunft wohl kein anderer Ausweg bleiben wird, als das Weite zu suchen. Sind dann im Übrigen alles Wirtschaftsflüchtlinge... und alle auf unseren Mist gewachsen."

      Noch mehr Flüchtlingshysterie, die zu noch mehr braunen, die Gesellschaft überwuchernde Flecken führt? Bitte nicht! Was kann der Einzelne dagegen tun? Zweierlei. Erstens Druck auf die politisch Verantwortlichen ausüben, damit die endlich mal die Courage entwickeln, Großkonzernen die Stirn zu bieten. Und zweitens das eigene Konsumverhalten nachhaltig ändern. ,,60 Prozent dessen, was wir heute in Europa essen, wächst nicht mehr bei uns. Es liegt also auch sehr wohl am Konsumenten, sich bewusst zu werden, was er da so beiläufig in seinen Einkaufswagen wirft." Ein Rat, den wir befolgen sollten. Ansonsten droht uns, von den ach so geilen Schnäppchen geschnappt, verschluckt und ausgespuckt zu werden ...

      HEINZ LACKNER

      Löschen
    3. Danke Heinz, das ist die richtige Herangehensweise: etwas Wichtiges lesen, es verbreiten und selbst die Konseqenzen daraus ziehen. Und wir dürfen nicht die Kollaborateure in der Dritten Welt vergessen. Diese gekauften Elemente, die Kompradoren-Bourgeoisie, die sich an diesen dreckigen Geschäften bereichert. Die in unseren Medien als große Staatsmännergelobt werden, die aber Männer, die das nicht mitmachen, wie Eritreas Präsident, als Diktatoren beschimpfen.

      Löschen
    4. Bitte, keine Ursache. Ich bin aber nicht der Heinz Lackner. Heinz Lackner ist der Autor des Artikels und Chefredakteur des Magazins. Ich bin nur

      Der Souverän

      Löschen